Bildhauerei

Mit dem Unabhängigkeitsbewusstsein Rumäniens und der Entstehung des Nationalstaats entwickelte sich im Einklang mit dem Bedürfnis zur Darstellung von Identifikationsfiguren die Bildhauerei in Rumäniens stürmisch und fand mit Brâncuş ihren international anerkannten Höhepunkt.
Zunächst waren es fremde Künstler wie der deutsche Karl Stork (1826-1887), die eine Grundlage für eine eigene rumänische Bildhauertradition schufen. Das neue königliche Bukarest ist voller Zeugnisse seines Wirkens: Der Schwertträger Cantacuzino im Hof des Colţea-Krankenhauses, Domniţa Bălaşa im Hof der gleichnamigen Kirche, General Davila im Hof des Instituts für Medizin und Pharmazie. Bereits die erste Generation seiner Schüler, Ion Georgescu (1856-1898), der das Gh.-Lazăr-Denkmal gegenüber der Bukarester Universität schuf, und Dimitrie Paciurea (1873-1932) gründeten eine nationale Bildhauerschule.
Mit Ion Jalea (Eminescu-Büste und Denkmal der französischen Helden im Cişmigiu von Bukarest) und Cornel Medrea (St.O.Josif-Büste im Cişmigiu, Dekorationen des Arcul de Triumf), die beide in Paris im Atelier von Rodin waren und auch gemeinsam gearbeitet haben (Monumentul Eroilor CFR am Bukarester Nordbahnhof), Gheorghe Anghel, Romulus Ladea und Oscar Han Kogălniceanu-Denkmal auf dem gleichnamigen Bukarester Platz) erreicht die rumänische Bildhauerei Eigenständigkeit und europäisches Niveau.


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Mit Constantin Brâncuşi (1876-1957), einem Bauern aus Oltenien, der von Bukarest über Budapest, Wien, München und die Schweiz nach Paris reiste, errang die rumänische Skulptur Weltruf. Auch hier war es die einzigartige Synthese zwischen dem Reichtum rumänischer Folklore, aus dem der Künstler schöpfen konnte und seinem an Fremdem geschultem Talent, das ihm internationaler Anerkennung einbrachte.

Brâncuşi: Der Kuss

Seine Werke sind in den Museen der ganzen Welt zu finden. Auf dem alten walachischen Marktflecken Târgu Jiu, neben dem sein Geburtsort Hobiţa liegt, hat Brâncuşi Ende der dreißiger Jahre einige seiner eindrucksvollsten Monumentalwerke geschaffen: Das Portal des Kusses, die Allee der Stühle, den Tisch des Schweigens und die Säule ohne Ende.


Târgu Jiu: Portal des Kusses




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